Wann reißt das Hymen?


Hymen gerissen?

Ein gerissenes Jungfernhäutchen (med. Hymen) wird in vielen Kulturen als Beweis, für die verlorene Jungfräulichkeit und damit als Bruch der Keuschheit angesehen und nur geduldet, wenn dies beim Akt in der Hochzeitsnacht geschah.

Dass das Hymen nur durch sexuellen Kontakt und das Eindringen des männlichen Gliedes reißen kann, ist allerdings ein Mythos der längst widerlegt ist. Dennoch ist die Vorstellung, dass es beim ersten Mal „bluten“ muss (als Zeichen für ein gerissenes Hymen) weit verbreitet und führt nicht selten zu Missverständnissen, denen wir hier gern vorbeugen möchten.


Verletzungen des Hymens durch Sport

Viele Sportarten dehnen und strapazieren die dünne, empfindliche Haut des Hymens, das den Vaginaleingang umgibt. Hier können dauerhafte Belastungen aber auch eine schnelle Bewegung oder Überdehnung zum Einreißen führen. Kleinere Risse können sich weiter forttragen und so zum gänzlichen Einreißen des Häutchens führen. Beim Radfahren, Reiten oder Turnen (Ballett) wird besonders häufig vom kurzen, schmerzhaften Einreißen des Hymens berichtet. Aber auch bei normaler körperlicher Bewegung ist ein Einreißen im Alltag nicht ungewöhnlich – die Angst vor einem zerstörten Hymen sollte also kein Grund sein, sich nicht mehr sportlich zu betätigen.


Sexueller Kontakt kann zum Einreißen führen

Nicht nur durch das Eindringen des Gliedes beim Geschlechtsverkehr kann das Hymen reißen, sondern auch durch Selbstbefriedigung mit Zubehör, oder sogar mit der Hand. Oftmals kann das Eindringen oder die energische Berührung des Partners mit der Hand schon zu einem Einreißen führen – unabsichtlich. Mit dem Einsetzen der ersten Menstruation ist auch ein Einreißen durch das Einführen größerer Tampons nicht selten, besonders wenn dies ungeübt geschieht oder der Scheideneingang sehr trocken ist. Letztlich kann das Eindringen eines jeden Gegenstandes das Hymen ganz oder teilweise verletzen, ohne dass sexueller Kontakt im eigentlichen Sinne die Ursache dafür ist.


Das Verständnis des Hymens als Teil der Kultur

Einige Kulturen und ethnische Gruppen nehmen erwarten noch immer Blutflecken auf dem weißen Laken der Hochzeitsnacht zum Beweis der Jungfräulichkeit der frisch verheirateten Frau. Zumeist kann ein Mann nämlich nicht eindeutig spüren, ob das Jungfernhäutchen intakt ist und da dies rein äußerlich selbst für Gynäkologen nicht eindeutig erkennbar ist, wird die Blutung, die das Einreißen zur Folge haben kann als Nachweis herangezogen.

Genau hier liegt aber das Problem: was ist wenn das Jungfernhäutchen zwar intakt ist, das Einreißen aber keine Blutung hervorruft, weil die Membran des Hymens nicht so stark durchblutet ist. Dies ist zum Beispiel durch die hormonelle Veränderung in der Pubertät, die bis zum 20. Lebensjahr andauern kann, der Fall. Durchaus nicht selten existiert das Hymen von Geburt an nicht, oder ist ein so feiner Rand, dass es beim Eindringen nicht zerstört wird.

In wirklich problematischen Fällen, kann ein kleiner chirurgischer Eingriff – die sogenannte Hymenrekonstruktion – das Hymen wiederherstellen. Was genau dort passiert, wer den Eingriff durchführt und was es kostet erfahrt ihr in unserer Rubrik Hymenrekonstruktion.